Philipp ritzt. Warum, weiß er nicht genau. Nur, dass es ihn fasziniert, seinen Körper zu verletzten. Den Schmerz zu spüren. Die Wunden zu betrachten, zu verfolgen, wie sie sich langsam schließen. Die Narben trägt Philipp wie Auszeichnungen. Besonders die tiefen, bei denen die oberen Hautschichten auseinanderklaffen und – wenn verheilt – rote Striemen zu sehen sind. Für immer. Eine Mahnung. Doch wofür?
Als er schlimm mit dem Wakeboard stürzt, hat er Verletzungen am Knie und am der Handgelenk. Seine Mutter nervt. Die hat Angst, dass die Wunde an der Hand sich entzündet oder Philipp eine Blutvergiftung bekommt. Die Nervosität der Mutter steckt an. Dabei will Philipp das gar nicht. Und ist noch genervter. Die Wunde heilt schlecht. Ja, vielleicht liegt es daran, dass Philipp sie schlecht versorgt. Mag sein. Aber er liebt die Verletzungen an seinem Körper. Deshalb hält er sich, als alles wieder gut ist, Streichhölzer an den Arm und drückt an zwei Stellen die Köpfe hinein. Der Schmerz tut gut. Jetzt weiß er, dass er am Leben ist. Schmerz ist Leben. Sein malträtierter Körper der Beweis.
Er kann nicht verstehen, dass die Erwachsenen ihn nicht in Frieden lassen. Sein Körper gehört schließlich ihm. Nur ihm. Und was er damit macht, ist seine Sache. Er ritzt sich ins Bein. Nur um sicher zu gehen, dass er seinen Körper kontrolliert. Wenigstens den.